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Tierheim

Bereits am 3. November 2009 hat die Stadt Hagen mit dem hiesigen Tierschutzverein einen Vertrag über den seit Jahrzehnten überfälligen Tierheimsneubau abgeschlossen. Der Tierschutzverein wollte sich an dem zwei Millionen Euro teuren Bau mit einer Spendensumme von 525.000 Euro beteiligen. Die restliche Summe hatte die Stadt zugesagt. Nach gültigem Ratsbeschluss sollte der Oberbürgermeister hierfür Mittel aus dem Konjunkturpaket II nutzen. Alles schien geklärt, man hätte folglich mit dem Bau recht bald beginnen können.
Doch im Dezember 2009 griff Regierungspräsident Helmut Diegel ins Geschehen ein und zog das Geld zurück mit der Begründung, dass es in Hagen wichtigere Aufgaben als das Tierheim gebe. Der Oberbürgermeister, der eine einstweilige Verfügung gegen die Entscheidung hätte einleiten können, widersprach Diegel nicht und strebte stattdessen einen Kompromiss an, der nicht zustande kam. Soweit die Vorgeschichte.
Gesundheitsgefahr
Wolfgang Apel kam und gab Schützenhilfe. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes (seit 1993) zeigte sich entsetzt über die Hagener Verhältnisse am Kratzkopf und fand deutliche Worte. Es sei Pflichtaufgabe einer Stadt, ein funktionsfähiges Tierheim zu unterhalten, in dem die „Bewohner“ artgerecht gehalten werden können. Das Hagener Tierheim sei so marode und überfüllt, dass es eine Gesundheitsgefahr für Mensch und Tier darstelle. Die Hundezwinger seien schon lange nicht mehr zulässig, und das Katzenhaus sei so überfüllt, dass Krankheiten oder Seuchen nicht verhindert werden könnten. Ein Skandal nannte Wolfgang Apel die vorgefundenen Haltungsbedingungen. „Zur Kultur einer Stadt gehört auch ein ordentliches Tierheim“, meinte Apel, „und dieses hier ist ein Dreckstall.“

Wer so mit Tieren umgehe, ließe den Menschen auch nichts Besseres angedeihen, meinte Apel, der auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter als „unerträglich“ klassifizierte. Die primitivsten Dinge seien in diesem Tierheim nicht gewährleistet, schimpfte Apel. Er will deshalb jetzt auch die Berufsgenossenschaft einschalten.
Nur Schmalspurlösung
Der Vorschlag Diegels, am Kratzkopf eine neues Tierheim zu errichten, fand der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes recht skurril, denn Rückbau und Neubau würden mindestens 10 Millionen Euro verschlingen, zumal das Gelände völlig vergiftet sei. Auch konnte sich Apel davon überzeugen, dass Hagens Tierschützer keine Luxusversion mit dem neuen Tierheim anstreben, wie oft behauptet.

„Unser modernes Tierheim in Bremen, bereits 2001 eingeweiht, hat 60 Millionen Euro gekostet“, berichtet Apel, „der Hagener Neubau ist lediglich eine Schmalspurlösung und enthält absolut nur das Notwendigste.“
Tierquälerei
Wolfgang Apel wird nun zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen ins Hagener Heim zur Bestandsaufnahme schicken. Die beiden Veterinärinnen werden jeweils die Hunde- und Katzenhaltung unter die Lupe nehmen und ihre Beobachtungen in einem Gutachten darlegen. „Dann hat der Deutsche Tierschutzbund die Chance, die Stadt Hagen wegen Tierquälerei anzuzeigen“, meint Apel. „Wenn das Geld aus dem Konjunkturpaket nicht mehr zur Verfügung steht, muss die Stadt es eben anderweitig auftreiben, das ist nun mal ihre Pflicht.“

Bisher habe sich die Kommune recht mies aus der Affäre gezogen, befand der Präsident, zumal das Engagement der Hagener Bürger mit Füßen getreten würde. Sie erst hätten es möglich gemacht, dass der Tierschutzverein eine derart hohe Summe für den Neubau zusammen bringen konnte. Die Stadt solle einmal überlegen, dass sie diese Bürger weiterhin braucht, um adäquaten Tierschutz betreiben zu können.
Dienstaufsichtsbeschwerde
Auch gegen den Präsidenten des Landesamtes für Umwelt- und Naturschutz, Prof. Bottermann, will er eine Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen. Das Amt hatte im April 2009 der Stadt Hagen zunächst mit der Schließung des Tierheims gedroht, wenn die Kommune nicht ein neues Tierheim in Auftrag gebe. Neun Monate später hat genau diese Behörde keine tierschutzrechtlichen Bedenken mehr. „Komisch, nicht wahr? Wir werden auch Herrn Bottermann etwas auf die Sprünge helfen“, verspricht Apel. 

„Die artgerechte Unterbringung von Fundtieren ist eine öffentliche Aufgabe“, betonte Wolfgang Apel immer wieder, das sei im Gesetz verankert. Die Kommune können sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen und versuchen, die Sache auszusitzen. „Im Sinne der Tiere ist hier in Hagen sofortiger Handlungsbedarf gegeben,“ ist Apel überzeugt. Dieses Beurteilung werde er auch so weitergeben, denn Apel ist Mitglied der Tierschutzkommission beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Eine Unterbringung der Tiere in Pensionen sei zwar statthaft, aber für die Stadt finanziell nicht leistbar: „In Bremen haben wir für 60 Listenhunde 700.000 Euro Unterbringungskosten bezahlen müssen.“

 
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